Völkl Rechtsanwälte als österreichischer Beitragspartner im GILC Risk Radar 2026
Im neu veröffentlichten Risk Radar Report 2026 von Global Insurance Law Connect (GILC) vertreten die Völkl Rechtsanwälte Österreich. Die mittlerweile achte Ausgabe des Reports versammelt Beiträge von 26 spezialisierten Versicherungsrechtskanzleien aus 28 Jurisdiktionen auf fünf Kontinenten und gilt als einer der wichtigsten internationalen Wegweiser zu den Themen, die den Versicherungssektor im jeweils kommenden Jahr prägen werden.
Im Österreich-Kapitel hat Dr. Clemens Völkl drei zentrale Herausforderungen für den heimischen Versicherungsmarkt 2026 herausgearbeitet.
Ein robuster, aber herausgeforderter Markt
Der österreichische Versicherungsmarkt zählt zu den reifsten und solidesten Europas: Die durchschnittliche Solvenzkapitalquote (SCR) liegt mit rund 254 % bei mehr als dem Doppelten des regulatorisch Geforderten, das jährliche Prämienvolumen beträgt rund EUR 22–23 Milliarden. Die fünf größten Versicherungsgruppen vereinen rund 71 % der gebuchten Bruttoprämien auf sich. Trotz dieser Stabilität sehen sich die heimischen Versicherer 2026 mit einem regulatorischen, klimatischen und technologischen Umfeld konfrontiert, das etablierte Strukturen grundlegend verändert.
1. Regulatorische Belastung: DORA, AI Act und IRRD
„Austrian insurers face an unprecedented wave of EU regulation in 2026: DORA, the AI Act, and new resolution rules demand immediate strategic attention."
Dr. Clemens Völkl
Mit dem Inkrafttreten des Digital Operational Resilience Act (DORA) am 17. Januar 2025 sind österreichische Versicherer verpflichtet, umfassende Rahmenwerke für IKT-Risikomanagement, Vorfallsmeldungen, Resilienztests und die Überwachung von Drittanbietern zu implementieren. Im November 2025 haben die Europäischen Aufsichtsbehörden die kritischen IKT-Drittanbieter identifiziert – ein wichtiger Meilenstein in der praktischen Umsetzung des Aufsichtsrahmens.
Der EU AI Act fügt eine weitere Compliance-Ebene hinzu: Ab dem 2. August 2026 werden KI-Systeme, die in der Lebens- und Krankenversicherung für Risikobewertung und Pricing eingesetzt werden, als „hochrisikoreich“ eingestuft. EIOPA hat in diesem Zusammenhang Bedenken über Überschneidungen geäußert und vorgeschlagen, generalisierte lineare Modelle aus der Hochrisikoklassifikation auszuschließen, um unnötige Compliance-Belastungen zu vermeiden.
Mit der „Digital Omnibus“-Initiative der Europäischen Kommission (November 2025) sollen die zunehmenden Überschneidungen von AI Act, DORA, DSGVO und NIS2 vereinfacht und harmonisiert werden.
2. Klimarisiken, Naturkatastrophen und ESG
„Record NatCat losses are forcing Austria to reassess risk models and renew the debate on mandatory catastrophe coverage."
Dr. Clemens Völkl
Österreich verzeichnete 2024 mit EUR 1,7 Milliarden an versicherten Naturkatastrophenschäden einen neuen Rekord. Allein die mitteleuropäischen Überschwemmungen führten zu inländischen Schäden von EUR 550–650 Millionen und belasteten den Katastrophenfonds bis zur EUR 1-Milliarden-Marke. Im Durchschnitt überschreiten die versicherten Naturschäden in Österreich mittlerweile jährlich die Schwelle von EUR 1 Milliarde – mit weiter steigender Tendenz.
Die Klima-Stresstests der FMA haben gezeigt, dass starke Anstiege der CO₂-Preise erhebliche Auswirkungen auf die Portfolios der Versicherer haben: Klimabezogene Vermögenswerte machen rund ein Fünftel der Gesamtinvestitionen aus. Die politische Diskussion über eine verpflichtende Elementarschadenversicherung gewinnt vor diesem Hintergrund neue Dynamik, ist gesetzgeberisch jedoch noch nicht umgesetzt.
3. Digitalisierung, Cyberrisiken und Insurtech-Disruption
„AI and digitalisation are transforming Austrian insurance, but DORA, the AI Act and rising cyber threats create unprecedented compliance demands."
Dr. Clemens Völkl
Die digitale Transformation prägt den österreichischen Versicherungsmarkt weiterhin nachhaltig. DORA verlangt von Versicherern unter anderem die lückenlose Registerführung aller IKT-Drittdienstleister und etabliert einen direkten Aufsichtsrahmen für „kritische IKT-Drittdienstleister“, die von den Europäischen Aufsichtsbehörden benannt werden.
Mit dem Sanktionengesetz 2024 wurden zudem die Sanktionsprüfpflichten auf Versicherer ausgedehnt (in Kraft seit Januar 2026), was zusätzliche Compliance-Komplexität schafft. Die Cyberversicherung bleibt eines der dynamischsten Wachstumssegmente am Markt – getrieben durch zunehmende Ransomware-Angriffe und die erweiterten NIS2-Pflichten für österreichische Unternehmen.
Fazit
Der österreichische Versicherungsmarkt geht 2026 stabil und gut kapitalisiert in ein Jahr, das maßgeblich von der praktischen Implementierung umfangreicher EU-Regulierungsvorhaben und der wachsenden Bedeutung von Klima- und Cyberrisiken geprägt sein wird. Für Versicherer und ihre Beratenden bedeutet dies, regulatorische Compliance, technologische Innovation und Risikomanagement gleichermaßen als strategische Prioritäten zu behandeln.
Den vollständigen Risk Radar Report June 2026 mit Beiträgen aus 28 Jurisdiktionen können Sie hier als PDF herunterladen: